Einleitung
Die Migration von SAP ECC auf SAP S/4HANA stellt Immobilienunternehmen vor besondere Herausforderungen. Während SAP mit dem S/4HANA Migration Cockpit eine umfassende Lösung für viele Module bereitstellt, nimmt das Flexible Immobilienmanagement (RE-FX) eine Sonderstellung ein. Mit dem Ende der Mainstream-Wartung am 31.12.2027 für SAP ERP 6.0 (EHP6-EHP8; optional Extended Maintenance bis 31.12.2030 verfügbar) gewinnt die Planung und Durchführung einer RE-FX Migration zunehmend an Bedeutung.
In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Migrationspfade für SAP RE-FX zur Verfügung stehen, welche Tools zum Einsatz kommen und welche Best Practices Sie beachten sollten.
Grundlagen: Warum eine Migration zu SAP S/4HANA?
SAP S/4HANA ist keine einfache Weiterentwicklung von SAP ERP – es handelt sich um eine vollständig neue Generation der SAP Business Suite. Die wichtigsten Vorteile für Immobilienunternehmen:
- SAP HANA In-Memory-Datenbank: Deutlich schnellere Verarbeitung von Transaktionen und Auswertungen
- Vereinfachtes Datenmodell: Reduzierte Tabellenkomplexität und optimierte Datenstrukturen
- Moderne Benutzeroberfläche: SAP Fiori ermöglicht intuitive, rollenbasierte Anwendungen
- Echtzeitanalysen: Operative und analytische Daten in einem System ohne Replikation
- Zukunftssicherheit: Basis für KI-gestützte Prozesse und Cloud-Integration
Migrationspfade: Brownfield, Greenfield oder Hybrid?
Für die Migration von SAP RE-FX zu S/4HANA stehen grundsätzlich drei Ansätze zur Verfügung:
Brownfield-Ansatz (System Conversion)
Der Brownfield-Ansatz, auch Systemkonvertierung genannt, ist der häufigste Migrationspfad. Dabei wird das bestehende SAP ERP-System technisch zu S/4HANA konvertiert.
Vorteile:
- Historische Daten bleiben vollständig erhalten
- Customizing und Konfigurationen werden übernommen
- Kürzere Projektlaufzeit im Vergleich zu Greenfield
- Geringeres Risiko durch bewährte Prozesse
Wichtiger Hinweis zu RE-FX im Brownfield: Bei der System Conversion werden RE-FX-Daten (Stammdaten und Verträge) in der Regel technisch durch die Konvertierung mitgenommen. Eine separate Neumigration von Verträgen und Stammdaten ist typischerweise nur bei selektiven Transition-Szenarien, Carve-outs oder Systemkonsolidierungen erforderlich.
Herausforderungen:
- Custom Code muss analysiert und angepasst werden
- Dateninkonsistenzen müssen vor der Konvertierung bereinigt werden
- „Technische Schulden“ werden mit übernommen
- Downtime während der Konvertierung erforderlich
Phasen einer Brownfield-Migration:
- Discover & Prepare: SAP Readiness Check durchführen, Projektumfang definieren
- Analyze: Simplification Item Check, Custom Code Analysis
- Sandbox Conversion: Erste Testkonvertierung in Nicht-Produktivumgebung
- Realize: Anpassungen durchführen, Tests ausführen
- Deploy: Produktionskonvertierung mit Software Update Manager (SUM)
- Run: Post-Go-Live Support und Optimierung
Greenfield-Ansatz (Neuimplementierung)
Bei der Neuimplementierung wird SAP S/4HANA komplett neu aufgesetzt.
Vorteile:
- Prozessoptimierung von Grund auf möglich
- Kein Legacy-Code oder veraltete Strukturen
- Clean Core von Anfang an
- Chance zur Datenbereinigung
Herausforderungen:
- Längere Projektlaufzeit
- Höhere Kosten
- Umfangreiche Datenmigration erforderlich
- Prozessänderungen können Widerstände erzeugen
Hybrid-Ansatz (Selective Data Transition / Bluefield)
Der Hybrid-Ansatz kombiniert Elemente aus Brownfield und Greenfield.
Vorteile:
- Selektive Datenübernahme möglich
- Prozessoptimierung bei gleichzeitiger Datenbewahrung
- Reduzierte Downtime durch Staging-Konzepte
Herausforderungen:
- Komplexere Planung erforderlich
- Höherer Koordinationsaufwand
- Spezielle Tools und Expertise notwendig
RE-FX Besonderheiten: Welche Migrations-Ansätze sind realistisch?
Eine zentrale Besonderheit bei der RE-FX Migration ist, dass RE-FX im SAP-Migrationskontext nicht immer so „out of the box“ funktioniert wie viele FI/CO/SD-Objekte.
SAP-Standard-Unterstützung: In der offiziellen SAP-Migrationsübersicht „Migration Objects for SAP S/4HANA“ sind RE-FX-Objekte explizit für Direct Transfer aufgeführt. Dies umfasst:
- Business Entity (RE-FX) – Wirtschaftseinheiten
- Land/Property (RE-FX) – Grundstücke
- Building (RE-FX) – Gebäude
- Architectural Object (RE-FX) – Architektonische Objekte
- Rental Object (RE-FX) – Mietobjekte
- Real Estate Contract (RE-FX) – Verträge
Migrations-Ansatz je nach Szenario:
Die tatsächlich eingesetzte Migrationsmethode hängt stark vom gewählten Transformationspfad ab:
- Bei Brownfield (System Conversion): RE-FX-Daten werden durch die technische Konvertierung mit SUM/DMO mitgenommen. Eine separate Datenmigration ist normalerweise nicht erforderlich.
- Bei Greenfield: Vollständige Neumigration erforderlich – hier kommen Migration Cockpit (Direct Transfer), BAPI/API-basierte Verfahren oder Partner-Tools zum Einsatz.
- Bei Selective Data Transition / Hybrid: Je nach Ausgangslage Kombination verschiedener Methoden, häufig werden BAPI-basierte Verfahren und spezialisierte Partner-Tools genutzt.
Laut SAP Knowledge Base Article 3623370 werden verschiedene Tools und Methoden zur Migration von RE-FX-Verträgen und Stammdaten unterstützt. Die Wahl des richtigen Werkzeugs hängt vom konkreten Projektszenario ab.
Migrationswerkzeuge für RE-FX Daten
BAPI-basierte Migration
Für Greenfield-Implementierungen und Selective Data Transition-Szenarien ist die Verwendung von BAPIs (Business Application Programming Interfaces) eine bewährte Methode:
Wichtigste BAPIs und Schnittstellen für RE-FX:
BAPI_RE_CN_CREATE– Verträge anlegenBAPI_RE_CN_CHANGE– Verträge ändern/aktualisieren (z.B. für Aktivierungen im Mass Processing)- Business Object BUS1505 (RE-FX Contract) – für ALE/IDoc-basierte Integrationen (projektspezifisch zu prüfen)
- Weitere BAPIs für Stammdatenobjekte (Business Entity, Property, Building, Rental Object)
LSMW (Legacy System Migration Workbench)
LSMW ist ein SAP-Standard-Werkzeug, das historisch für Datenmigrationen verwendet wurde:
Status in S/4HANA: LSMW wird von SAP für S/4HANA-Datenladungen offiziell nicht empfohlen und die Nutzung erfolgt auf eigenes Risiko. SAP kommuniziert seit Jahren klar, dass vorgeschlagene Interfaces nicht mehr passen können und die Tool-Unterstützung eingeschränkt ist.
Wenn LSMW dennoch eingesetzt wird:
- Nur nach objektweiser Prüfung und intensiven Tests
- Unterstützt BAPI-Methode
- Mapping-Funktionalität für Datenstrukturen
- Fehlerprotokollierung und Wiederholbarkeit
Empfehlung: Für S/4HANA-Projekte sollten bevorzugt das Migration Cockpit (wo verfügbar), SAP Data Services oder moderne Cloud-basierte Migrationstools verwendet werden.
Typischer LSMW-Prozess:
- Datenextraktion aus Legacy-System
- Mapping auf BAPI-Strukturen (z.B. E1BP_RE_OBJECT_CONTRACT)
- Testlauf mit Fehleranalyse
- Produktivlauf nach erfolgreichen Tests
SAP Data Services (BODS)
Für komplexere Szenarien eignet sich SAP Business Objects Data Services:
Vorteile:
- Professionelle ETL-Funktionalität
- Unterstützung für Datenqualitätsprüfungen
- Automatisierung und Scheduling
- Umfangreiche Transformation-Möglichkeiten
Spezialisierte Add-Ons
Für Systemkonvertierungen (ECC zu S/4HANA) gibt es spezialisierte Add-Ons von Drittanbietern, die den RE-FX Migrationsprozess automatisieren:
Funktionen typischer RE-FX Migrations-Add-Ons:
- Automatisches Mapping von Quell- auf Zielsystem
- Migration aller RE-FX Stamm- und Bewegungsdaten
- Simulationsmodus für Tests
- Verarbeitung von Vertragsbewertungen (IFRS 16, US GAAP)
- Anpassung von Konditionen und Konditionsarten
Hinweis: Solche Tools werden von verschiedenen SAP-Partnern angeboten und können die Migrationsdauer erheblich verkürzen.
Vorbereitung: SAP Readiness Check und Simplification Items
SAP Readiness Check durchführen
Der SAP Readiness Check ist das zentrale Planungswerkzeug für die S/4HANA Migration.
Was wird geprüft?
- Kompatibilität von Add-Ons und Business Functions
- Relevante Simplification Items für Ihr System
- Custom Code Analyse
- Systemgröße und Sizing-Empfehlungen
- Empfohlene SAP Fiori Apps
- Business Partner Integration (CVI)
Voraussetzungen:
- SAP-Hinweis 2399707 muss implementiert sein
- System sollte auf aktuellem Support Package Stack sein
- Zugriff auf SAP Support Portal
Durchführung:
- SAP-Hinweise implementieren
- Datensammlung in Produktivsystem durchführen
- Ergebnisse im SAP Support Portal hochladen
- Analysebericht studieren und Maßnahmen ableiten
Simplification Item Check
Der Simplification Item Check ist ein spezialisierter Check für S/4HANA-spezifische Änderungen.
Ausführung über Report:
- Transaktionscode:
/SDF/RC_START_CHECK - Relevanzprüfung basierend auf Systemkonfiguration
- Konsistenzprüfung für Datenmigration
Kategorisierung der Simplification Items:
- Mandatory: Pflichtaufgaben vor der Konvertierung
- Recommended: Empfohlene Vorbereitungen
- Optional: Geschäftsentscheidungen erforderlich
Wichtige Simplification Items für RE-FX:
- Geschäftspartner-Konvertierung (Customer Vendor Integration)
- New Asset Accounting Aktivierung
- Neue Hauptbuchhaltung (New G/L)
- Änderungen in Vertragsbewertungen
RE-FX spezifische Migrationsaufgaben
Business Partner Konvertierung (CVI)
In S/4HANA ist das Business Partner Konzept zentral. Kunden und Lieferanten werden zu Business Partnern konvertiert.
Empfehlung: CVI bereits in SAP ECC durchführen, bevor die Systemkonvertierung startet.
Vorteile der Vorkonvertierung:
- Reduziertes Risiko bei der S/4HANA Konvertierung
- Möglichkeit zum Testen und Korrigieren
- Kürzere Downtime bei der Hauptmigration
Vorgehen:
- CVI Consistency Check durchführen (Transaktion: CVI_COCKPIT)
- Inkonsistenzen bereinigen
- Business Partner anlegen
- Synchronisation einrichten
Vertragsbewertungen (IFRS 16 / US GAAP)
Für Leasingverträge sind Bewertungen nach IFRS 16 oder US GAAP relevant.
Migrationsszenarien laut SAP-Hinweis 2544232:
Szenario 1: Neue Verträge ab Go-Live
- Keine Legacy-Assets
- Bewertung startet mit Go-Live
- Einfachste Variante
Szenario 2: Migration mit bestehenden Assets
- Legacy-Assets mit Anschaffungswert und Abschreibungen
- Verwendung von Konditionsart V107 (Net Book Value Specified)
- Komplexere Konfiguration erforderlich
Szenario 3: Migration mit komplexen Bewertungen
- Mehrere Bewertungsregeln
- Historische Anpassungen
- Höchster Aufwand, aber vollständigste Datenübernahme
Best Practice: Testen Sie alle Bewertungsszenarien in einem Sandbox-System, bevor Sie produktiv migrieren.
Abgrenzungen und Periodenabrechnung
RE-FX nutzt spezielle Abgrenzungsfunktionen für periodengerechte Abrechnungen.
Wichtig bei der Migration:
- Abgrenzungsläufe vor Cutoff durchführen
- Salden auf Abgrenzungskonten prüfen
- SAP empfiehlt: Eröffnungssalden auf null bringen
Alternative: Legacy-Abgrenzungsdaten können nur bei Migration von RE Classic zu RE-FX übernommen werden, nicht bei ECC zu S/4HANA Konvertierung.
Stammdatenhierarchie beachten
RE-FX hat eine klare Hierarchie, die bei der Migration eingehalten werden muss:
Business Entity (Wirtschaftseinheit)
└─ Property (Grundstück)
└─ Building (Gebäude)
└─ Rental Object (Mietobjekt)
└─ Contract (Vertrag)
Migrationsreihenfolge:
- Business Entities
- Properties
- Buildings
- Rental Objects
- Contracts mit allen Konditionen und Bedingungen
Custom Code und Erweiterungen
Custom Code Analyse
Jede S/4HANA Migration erfordert eine Analyse des Custom Codes.
SAP Tools:
- Custom Code Migration App (SAP Fiori)
- ABAP Test Cockpit (ATC)
- SQL Monitor zur Performanceanalyse
Typische Anpassungen in RE-FX Custom Code:
- Datenbankzugriffe sollten auf das Universal Journal (ACDOCA) bzw. freigegebene APIs umgestellt werden; klassische direkte Tabellenzugriffe (z.B. auf BSEG) sind kritisch und sollten vermieden werden
- Anpassung von APIs und BAPIs
- Fiori-Kompatibilität bei Customer-Entwicklungen
Empfehlung: Reduzieren Sie Custom Code wo möglich und nutzen Sie SAP-Standardfunktionen oder das SAP Business Technology Platform (BTP) Erweiterungsframework.
Downtime-Optimierung
Für große Immobilienportfolios kann die Downtime bei der Systemkonvertierung erheblich sein.
Strategien zur Downtime-Reduzierung:
Near-Zero Downtime (NZDT)
- SUM mit Near-Zero Downtime Option
- Parallele Tabellen-Replikation während Betrieb
- Nur kurze technische Downtime für Cutover
Selective Data Transition
- Daten werden selektiv in neues System übernommen
- Historische Daten können im Alt-System verbleiben
- Deutlich kürzere Downtime
Archivierung vor Migration
- Alte Verträge und Transaktionen archivieren
- Reduziert zu migrierende Datenmenge
- Beschleunigt alle Migrationsphasen
Best Practice: Führen Sie mehrere Sandbox-Conversions durch und messen Sie die benötigte Zeit. Die letzte Test-Konvertierung sollte die reale Downtime simulieren.
Projektphasen im Detail
Phase 1: Discovery & Project Preparation (4-8 Wochen)*
*Zeitangaben sind als Richtwerte aus Projekterfahrungen zu verstehen und variieren je nach Unternehmensgröße und Komplexität
Aktivitäten:
- SAP Readiness Check durchführen
- Projektteam zusammenstellen
- Scope definieren (Brownfield/Greenfield/Hybrid)
- Budget und Timeline festlegen
- Migrationsstrategie für RE-FX wählen
Liefergegenstände:
- Projektsteckbrief
- Migrationsstrategie-Dokument
- Business Case
- Risikoanalyse
Phase 2: Prepare (8-12 Wochen)*
Aktivitäten:
- Simplification Item Check durchführen
- Datenqualität prüfen und bereinigen
- Business Partner Konvertierung (CVI) in ECC
- Custom Code analysieren
- Sandbox-System aufsetzen
- Schulungskonzept erstellen
Liefergegenstände:
- SI-Check Bericht mit Maßnahmenplan
- Bereinigte Daten (Data Quality Report)
- Custom Code Anpassungsplan
- Test-Strategie
Phase 3: Explore & Realize (12-20 Wochen)*
Aktivitäten:
- Sandbox-Konvertierung durchführen
- RE-FX Stammdaten und Verträge migrieren (Test)
- Anpassungen im S/4HANA System konfigurieren
- Unit-Tests und Integration-Tests
- User Acceptance Tests (UAT)
- Schulungen durchführen
Liefergegenstände:
- Konvertierte Test-Systeme
- Migrierte RE-FX Testdaten
- Testprotokolle
- Geschulte Anwender
Phase 4: Deploy (Cutover-Wochenende)
Aktivitäten:
- Finaler Abgrenzungslauf in ECC
- Produktions-Systemkonvertierung mit SUM
- RE-FX Datenübernahme über BAPIs/Tools
- Post-Conversion Checks
- Smoke-Tests
- Go-Live
Typische Downtime: 12-72 Stunden (abhängig von Systemgröße und Datenmenge)
Phase 5: Run (Hypercare: 4-8 Wochen)*
Aktivitäten:
- Tägliche Systemüberwachung
- Fehlerbeseitigung
- User Support
- Performance-Optimierung
- Lessons Learned Workshop
Kritische Erfolgsfaktoren
1. Datenqualität
Problem: Inkonsistente Daten führen zu fehlgeschlagenen Konvertierungen.
Lösung:
- Frühzeitige Datenbereinigung
- Automatisierte Konsistenzprüfungen
- Dediziertes Data Quality Management
2. Testumgebungen
Problem: Unzureichende Tests führen zu Produktionsproblemen.
Lösung:
- Mindestens 2-3 Sandbox-Conversions
- Vollständige Testabdeckung aller RE-FX Prozesse
- Realistische Testdaten verwenden
3. Change Management
Problem: Anwender-Akzeptanz fehlt.
Lösung:
- Frühzeitige Einbindung der Key User
- Umfassendes Schulungsprogramm
- Kommunikation der Business Benefits
4. Skills und Ressourcen
Problem: Fehlendes Know-how im Projektteam.
Lösung:
- Erfahrene S/4HANA Berater einbinden
- SAP-Partner mit RE-FX Expertise wählen
- Interne Ressourcen durch Trainings vorbereiten
5. Cutover-Planung
Problem: Ungeplante Verlängerung der Downtime.
Lösung:
- Detaillierter Cutover-Plan mit Zeitplan
- Rollback-Strategie definieren
- Notfallplan für kritische Situationen
Best Practices aus der Praxis
1. Archivierung vor Migration
Archivieren Sie alte Verträge, Buchungsbelege und Stammdaten, um die zu migrierende Datenmenge zu reduzieren.
Empfohlene Archivierungsobjekte:
- Abgeschlossene Verträge (>3 Jahre)
- Gebuchte Belege (nach rechtlichen Aufbewahrungsfristen)
- Nicht mehr aktive Stammdaten
2. Parallelbetrieb vermeiden
Während der S/4HANA Migration keinen Parallelbetrieb von Alt- und Neu-System planen. Dies ist bei RE-FX technisch sehr komplex und fehleranfällig.
3. Dokumentation der Legacy-Einstellungen
Dokumentieren Sie alle Customizing-Einstellungen im ECC-System, insbesondere:
- Konditionsarten und Bewertungsregeln
- Vertragskategorien und -typen
- Abrechnungsschemata
- Buchungskreise und Kostenstellenzuordnungen
4. Test-Verträge als Referenz
Erstellen Sie Representative-Verträge im ECC-System, die alle Ihre Geschäftsfälle abdecken. Nutzen Sie diese als Referenz für die Validierung nach der Migration.
5. Monitoring nach Go-Live
Richten Sie ein intensives Monitoring in den ersten Wochen ein:
- Tägliche Prüfung der Abrechnungsläufe
- Vergleich ECC vs. S/4HANA Buchungen
- Performance-Monitoring
- Error-Log Überwachung
Typische Fallstricke und wie Sie diese vermeiden
Fallstrick 1: Falsche Migrations-Methode gewählt
Problem: Teams wählen die Migrationsmethode ohne gründliche Analyse des Transformationspfads.
Lösung: Klären Sie zuerst Ihr Szenario:
- Brownfield/System Conversion: RE-FX-Daten werden technisch konvertiert, keine separate Migration erforderlich
- Greenfield: Direct Transfer über Migration Cockpit, BAPI-basierte Verfahren oder Partner-Tools
- Selective Data Transition: Kombination verschiedener Methoden je nach Anforderung
Nutzen Sie SAP Knowledge Base Article 3623370 für eine Übersicht der verfügbaren Tools.
Fallstrick 2: Fehlende Business Partner
Problem: Verträge können nicht angelegt werden, weil Business Partner fehlen.
Lösung: Führen Sie die Business Partner Konvertierung (CVI) vor der RE-FX Datenmigration durch.
Fallstrick 3: Unvollständige Konditions-Migration
Problem: Verträge werden ohne Konditionen oder mit falschen Bewertungen migriert.
Lösung: Nutzen Sie die vollständige BAPI-Struktur inkl. E1BP_RE_TERM_CE_DAT für Bewertungen und prüfen Sie alle Konditionen einzeln.
Fallstrick 4: Vergessene Abgrenzungen
Problem: Periodenabgrenzungen werden nicht korrekt übernommen.
Lösung: Führen Sie finale Abgrenzungsläufe durch und bringen Sie die Salden auf den Abgrenzungskonten auf null, wie von SAP empfohlen.
Fallstrick 5: Custom Code Kompatibilität
Problem: Custom Reports und Enhancements funktionieren nicht mehr.
Lösung: Analysieren Sie Custom Code frühzeitig mit ATC und passen Sie ihn für S/4HANA an, besonders bei Datenbankzugriffen.
Tools und Ressourcen
SAP-eigene Tools
| Tool | Zweck | Verfügbarkeit |
|---|---|---|
| SAP Readiness Check | Systemanalyse und Planung | SAP Support Portal |
| Simplification Item Check | Relevanzprüfung von Änderungen | Transaction /SDF/RC_START_CHECK |
| Software Update Manager (SUM) | Technische Systemkonvertierung | SAP Download Center |
| LSMW | Datenmigration | SAP Standard |
| Maintenance Planner | Stack-Planung und Download | SAP Support Portal |
| Custom Code Migration App | ABAP Code Analyse | SAP Fiori Launchpad |
Wichtige SAP-Hinweise
| SAP-Hinweis | Titel | Beschreibung |
|---|---|---|
| 3623370 | RE-FX: Available migration tools | Übersicht Migrationswerkzeuge für RE-FX |
| 2399707 | Simplification Item Check | SI-Check Installation |
| 2502552 | S4TC – SAP S/4HANA Conversion & Upgrade | Check-Klassen für SI-Check |
| 2544232 | RE-FX Lease Contract Migration | Szenarien für Vertragsbewertungen |
| 2721530 | Data Volume Management | Datenarchivierung vor Migration |
Weiterführende Dokumentation
- SAP Help Portal: Flexible Real Estate Management (RE-FX)
- Conversion Guide for SAP S/4HANA (verfügbar im SAP Support Portal)
- Upgrade Guide for SAP S/4HANA (verfügbar im SAP Support Portal)
- SAP Community: Financial Management – Real Estate
Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen
Die Migration von SAP RE-FX zu S/4HANA ist ein komplexes Projekt, das sorgfältige Planung und Vorbereitung erfordert. Die wichtigsten Erkenntnisse:
Zentrale Handlungsempfehlungen:
- Starten Sie früh mit der Planung: Mit Ende der Mainstream-Wartung am 31.12.2027 wird die Zeit knapp. Beginnen Sie spätestens 18-24 Monate vor dem geplanten Go-Live.
- Nutzen Sie die richtigen Tools: Je nach Migrationsszenario (Brownfield/Greenfield/Hybrid) kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz – von der technischen Konvertierung über Direct Transfer bis zu BAPI-basierten Migrationen.
- Investieren Sie in Datenqualität: Erfahrungsgemäß entfällt ein großer Teil des Migrationsaufwands auf Datenbereinigung und -validierung. Starten Sie frühzeitig mit der Data Quality Initiative.
- Testen Sie ausführlich: Mindestens 2-3 Sandbox-Conversions sind Pflicht. Jeder Test deckt neue Probleme auf.
- Berücksichtigen Sie RE-FX Besonderheiten:
- Business Partner Konvertierung vorab
- Vertragsbewertungen nach IFRS 16 / US GAAP
- Hierarchische Stammdatenstrukturen
- Abgrenzungen und Periodenabrechnung
- Planen Sie ausreichend Ressourcen ein: Sowohl intern (Key User, IT) als auch extern (erfahrene S/4HANA und RE-FX Berater).
- Erstellen Sie eine Rollback-Strategie: Definieren Sie klare Abbruchkriterien und einen Plan B für den Fall von Problemen.
Nächste Schritte:
- SAP Readiness Check durchführen – Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Aufwand
- Migrationsstrategie wählen – Brownfield, Greenfield oder Hybrid?
- Budget und Timeline planen – Realistische Einschätzung mit Puffer
- Projektteam aufstellen – Interne und externe Ressourcen
- Pilotprojekt starten – Erste Sandbox-Konvertierung als Proof-of-Concept
Die Migration zu SAP S/4HANA ist eine Investition in die digitale Zukunft Ihres Immobilienmanagements. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Werkzeugen wird Ihr Projekt ein Erfolg.
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