28. Januar 2026

SAP RE-FX Migration von ECC zu S/4HANA: Der komplette Leitfaden

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Inhaltsverzeichnis
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    Einleitung

    Die Migration von SAP ECC auf SAP S/4HANA stellt Immobilienunternehmen vor besondere Herausforderungen. Während SAP mit dem S/4HANA Migration Cockpit eine umfassende Lösung für viele Module bereitstellt, nimmt das Flexible Immobilienmanagement (RE-FX) eine Sonderstellung ein. Mit dem Ende der Mainstream-Wartung am 31.12.2027 für SAP ERP 6.0 (EHP6-EHP8; optional Extended Maintenance bis 31.12.2030 verfügbar) gewinnt die Planung und Durchführung einer RE-FX Migration zunehmend an Bedeutung.

    In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Migrationspfade für SAP RE-FX zur Verfügung stehen, welche Tools zum Einsatz kommen und welche Best Practices Sie beachten sollten.

     

    Grundlagen: Warum eine Migration zu SAP S/4HANA?

    SAP S/4HANA ist keine einfache Weiterentwicklung von SAP ERP – es handelt sich um eine vollständig neue Generation der SAP Business Suite. Die wichtigsten Vorteile für Immobilienunternehmen:

    • SAP HANA In-Memory-Datenbank: Deutlich schnellere Verarbeitung von Transaktionen und Auswertungen
    • Vereinfachtes Datenmodell: Reduzierte Tabellenkomplexität und optimierte Datenstrukturen
    • Moderne Benutzeroberfläche: SAP Fiori ermöglicht intuitive, rollenbasierte Anwendungen
    • Echtzeitanalysen: Operative und analytische Daten in einem System ohne Replikation
    • Zukunftssicherheit: Basis für KI-gestützte Prozesse und Cloud-Integration

     

    Migrationspfade: Brownfield, Greenfield oder Hybrid?

    Für die Migration von SAP RE-FX zu S/4HANA stehen grundsätzlich drei Ansätze zur Verfügung:

    Brownfield-Ansatz (System Conversion)

    Der Brownfield-Ansatz, auch Systemkonvertierung genannt, ist der häufigste Migrationspfad. Dabei wird das bestehende SAP ERP-System technisch zu S/4HANA konvertiert.

    Vorteile:

    • Historische Daten bleiben vollständig erhalten
    • Customizing und Konfigurationen werden übernommen
    • Kürzere Projektlaufzeit im Vergleich zu Greenfield
    • Geringeres Risiko durch bewährte Prozesse

    Wichtiger Hinweis zu RE-FX im Brownfield: Bei der System Conversion werden RE-FX-Daten (Stammdaten und Verträge) in der Regel technisch durch die Konvertierung mitgenommen. Eine separate Neumigration von Verträgen und Stammdaten ist typischerweise nur bei selektiven Transition-Szenarien, Carve-outs oder Systemkonsolidierungen erforderlich.

    Herausforderungen:

    • Custom Code muss analysiert und angepasst werden
    • Dateninkonsistenzen müssen vor der Konvertierung bereinigt werden
    • „Technische Schulden“ werden mit übernommen
    • Downtime während der Konvertierung erforderlich

    Phasen einer Brownfield-Migration:

    1. Discover & Prepare: SAP Readiness Check durchführen, Projektumfang definieren
    2. Analyze: Simplification Item Check, Custom Code Analysis
    3. Sandbox Conversion: Erste Testkonvertierung in Nicht-Produktivumgebung
    4. Realize: Anpassungen durchführen, Tests ausführen
    5. Deploy: Produktionskonvertierung mit Software Update Manager (SUM)
    6. Run: Post-Go-Live Support und Optimierung

    Greenfield-Ansatz (Neuimplementierung)

    Bei der Neuimplementierung wird SAP S/4HANA komplett neu aufgesetzt.

    Vorteile:

    • Prozessoptimierung von Grund auf möglich
    • Kein Legacy-Code oder veraltete Strukturen
    • Clean Core von Anfang an
    • Chance zur Datenbereinigung

    Herausforderungen:

    • Längere Projektlaufzeit
    • Höhere Kosten
    • Umfangreiche Datenmigration erforderlich
    • Prozessänderungen können Widerstände erzeugen

    Hybrid-Ansatz (Selective Data Transition / Bluefield)

    Der Hybrid-Ansatz kombiniert Elemente aus Brownfield und Greenfield.

    Vorteile:

    • Selektive Datenübernahme möglich
    • Prozessoptimierung bei gleichzeitiger Datenbewahrung
    • Reduzierte Downtime durch Staging-Konzepte

    Herausforderungen:

    • Komplexere Planung erforderlich
    • Höherer Koordinationsaufwand
    • Spezielle Tools und Expertise notwendig

     

    RE-FX Besonderheiten: Welche Migrations-Ansätze sind realistisch?

    Eine zentrale Besonderheit bei der RE-FX Migration ist, dass RE-FX im SAP-Migrationskontext nicht immer so „out of the box“ funktioniert wie viele FI/CO/SD-Objekte.

    SAP-Standard-Unterstützung: In der offiziellen SAP-Migrationsübersicht „Migration Objects for SAP S/4HANA“ sind RE-FX-Objekte explizit für Direct Transfer aufgeführt. Dies umfasst:

    • Business Entity (RE-FX) – Wirtschaftseinheiten
    • Land/Property (RE-FX) – Grundstücke
    • Building (RE-FX) – Gebäude
    • Architectural Object (RE-FX) – Architektonische Objekte
    • Rental Object (RE-FX) – Mietobjekte
    • Real Estate Contract (RE-FX) – Verträge

    Migrations-Ansatz je nach Szenario:

    Die tatsächlich eingesetzte Migrationsmethode hängt stark vom gewählten Transformationspfad ab:

    • Bei Brownfield (System Conversion): RE-FX-Daten werden durch die technische Konvertierung mit SUM/DMO mitgenommen. Eine separate Datenmigration ist normalerweise nicht erforderlich.
    • Bei Greenfield: Vollständige Neumigration erforderlich – hier kommen Migration Cockpit (Direct Transfer), BAPI/API-basierte Verfahren oder Partner-Tools zum Einsatz.
    • Bei Selective Data Transition / Hybrid: Je nach Ausgangslage Kombination verschiedener Methoden, häufig werden BAPI-basierte Verfahren und spezialisierte Partner-Tools genutzt.

    Laut SAP Knowledge Base Article 3623370 werden verschiedene Tools und Methoden zur Migration von RE-FX-Verträgen und Stammdaten unterstützt. Die Wahl des richtigen Werkzeugs hängt vom konkreten Projektszenario ab.

     

    Migrationswerkzeuge für RE-FX Daten

    BAPI-basierte Migration

    Für Greenfield-Implementierungen und Selective Data Transition-Szenarien ist die Verwendung von BAPIs (Business Application Programming Interfaces) eine bewährte Methode:

    Wichtigste BAPIs und Schnittstellen für RE-FX:

    • BAPI_RE_CN_CREATE – Verträge anlegen
    • BAPI_RE_CN_CHANGE – Verträge ändern/aktualisieren (z.B. für Aktivierungen im Mass Processing)
    • Business Object BUS1505 (RE-FX Contract) – für ALE/IDoc-basierte Integrationen (projektspezifisch zu prüfen)
    • Weitere BAPIs für Stammdatenobjekte (Business Entity, Property, Building, Rental Object)

    LSMW (Legacy System Migration Workbench)

    LSMW ist ein SAP-Standard-Werkzeug, das historisch für Datenmigrationen verwendet wurde:

    Status in S/4HANA: LSMW wird von SAP für S/4HANA-Datenladungen offiziell nicht empfohlen und die Nutzung erfolgt auf eigenes Risiko. SAP kommuniziert seit Jahren klar, dass vorgeschlagene Interfaces nicht mehr passen können und die Tool-Unterstützung eingeschränkt ist.

    Wenn LSMW dennoch eingesetzt wird:

    • Nur nach objektweiser Prüfung und intensiven Tests
    • Unterstützt BAPI-Methode
    • Mapping-Funktionalität für Datenstrukturen
    • Fehlerprotokollierung und Wiederholbarkeit

    Empfehlung: Für S/4HANA-Projekte sollten bevorzugt das Migration Cockpit (wo verfügbar), SAP Data Services oder moderne Cloud-basierte Migrationstools verwendet werden.

    Typischer LSMW-Prozess:

    1. Datenextraktion aus Legacy-System
    2. Mapping auf BAPI-Strukturen (z.B. E1BP_RE_OBJECT_CONTRACT)
    3. Testlauf mit Fehleranalyse
    4. Produktivlauf nach erfolgreichen Tests

    SAP Data Services (BODS)

    Für komplexere Szenarien eignet sich SAP Business Objects Data Services:

    Vorteile:

    • Professionelle ETL-Funktionalität
    • Unterstützung für Datenqualitätsprüfungen
    • Automatisierung und Scheduling
    • Umfangreiche Transformation-Möglichkeiten

    Spezialisierte Add-Ons

    Für Systemkonvertierungen (ECC zu S/4HANA) gibt es spezialisierte Add-Ons von Drittanbietern, die den RE-FX Migrationsprozess automatisieren:

    Funktionen typischer RE-FX Migrations-Add-Ons:

    • Automatisches Mapping von Quell- auf Zielsystem
    • Migration aller RE-FX Stamm- und Bewegungsdaten
    • Simulationsmodus für Tests
    • Verarbeitung von Vertragsbewertungen (IFRS 16, US GAAP)
    • Anpassung von Konditionen und Konditionsarten

    Hinweis: Solche Tools werden von verschiedenen SAP-Partnern angeboten und können die Migrationsdauer erheblich verkürzen.

     

    Vorbereitung: SAP Readiness Check und Simplification Items

    SAP Readiness Check durchführen

    Der SAP Readiness Check ist das zentrale Planungswerkzeug für die S/4HANA Migration.

    Was wird geprüft?

    • Kompatibilität von Add-Ons und Business Functions
    • Relevante Simplification Items für Ihr System
    • Custom Code Analyse
    • Systemgröße und Sizing-Empfehlungen
    • Empfohlene SAP Fiori Apps
    • Business Partner Integration (CVI)

    Voraussetzungen:

    • SAP-Hinweis 2399707 muss implementiert sein
    • System sollte auf aktuellem Support Package Stack sein
    • Zugriff auf SAP Support Portal

    Durchführung:

    1. SAP-Hinweise implementieren
    2. Datensammlung in Produktivsystem durchführen
    3. Ergebnisse im SAP Support Portal hochladen
    4. Analysebericht studieren und Maßnahmen ableiten

    Simplification Item Check

    Der Simplification Item Check ist ein spezialisierter Check für S/4HANA-spezifische Änderungen.

    Ausführung über Report:

    • Transaktionscode: /SDF/RC_START_CHECK
    • Relevanzprüfung basierend auf Systemkonfiguration
    • Konsistenzprüfung für Datenmigration

    Kategorisierung der Simplification Items:

    • Mandatory: Pflichtaufgaben vor der Konvertierung
    • Recommended: Empfohlene Vorbereitungen
    • Optional: Geschäftsentscheidungen erforderlich

    Wichtige Simplification Items für RE-FX:

    • Geschäftspartner-Konvertierung (Customer Vendor Integration)
    • New Asset Accounting Aktivierung
    • Neue Hauptbuchhaltung (New G/L)
    • Änderungen in Vertragsbewertungen

     

    RE-FX spezifische Migrationsaufgaben

    Business Partner Konvertierung (CVI)

    In S/4HANA ist das Business Partner Konzept zentral. Kunden und Lieferanten werden zu Business Partnern konvertiert.

    Empfehlung: CVI bereits in SAP ECC durchführen, bevor die Systemkonvertierung startet.

    Vorteile der Vorkonvertierung:

    • Reduziertes Risiko bei der S/4HANA Konvertierung
    • Möglichkeit zum Testen und Korrigieren
    • Kürzere Downtime bei der Hauptmigration

    Vorgehen:

    1. CVI Consistency Check durchführen (Transaktion: CVI_COCKPIT)
    2. Inkonsistenzen bereinigen
    3. Business Partner anlegen
    4. Synchronisation einrichten

    Vertragsbewertungen (IFRS 16 / US GAAP)

    Für Leasingverträge sind Bewertungen nach IFRS 16 oder US GAAP relevant.

    Migrationsszenarien laut SAP-Hinweis 2544232:

    Szenario 1: Neue Verträge ab Go-Live

    • Keine Legacy-Assets
    • Bewertung startet mit Go-Live
    • Einfachste Variante

    Szenario 2: Migration mit bestehenden Assets

    • Legacy-Assets mit Anschaffungswert und Abschreibungen
    • Verwendung von Konditionsart V107 (Net Book Value Specified)
    • Komplexere Konfiguration erforderlich

    Szenario 3: Migration mit komplexen Bewertungen

    • Mehrere Bewertungsregeln
    • Historische Anpassungen
    • Höchster Aufwand, aber vollständigste Datenübernahme

    Best Practice: Testen Sie alle Bewertungsszenarien in einem Sandbox-System, bevor Sie produktiv migrieren.

    Abgrenzungen und Periodenabrechnung

    RE-FX nutzt spezielle Abgrenzungsfunktionen für periodengerechte Abrechnungen.

    Wichtig bei der Migration:

    • Abgrenzungsläufe vor Cutoff durchführen
    • Salden auf Abgrenzungskonten prüfen
    • SAP empfiehlt: Eröffnungssalden auf null bringen

    Alternative: Legacy-Abgrenzungsdaten können nur bei Migration von RE Classic zu RE-FX übernommen werden, nicht bei ECC zu S/4HANA Konvertierung.

    Stammdatenhierarchie beachten

    RE-FX hat eine klare Hierarchie, die bei der Migration eingehalten werden muss:

    Business Entity (Wirtschaftseinheit)
      └─ Property (Grundstück)
          └─ Building (Gebäude)
              └─ Rental Object (Mietobjekt)
                  └─ Contract (Vertrag)
    

    Migrationsreihenfolge:

    1. Business Entities
    2. Properties
    3. Buildings
    4. Rental Objects
    5. Contracts mit allen Konditionen und Bedingungen

     

    Custom Code und Erweiterungen

    Custom Code Analyse

    Jede S/4HANA Migration erfordert eine Analyse des Custom Codes.

    SAP Tools:

    • Custom Code Migration App (SAP Fiori)
    • ABAP Test Cockpit (ATC)
    • SQL Monitor zur Performanceanalyse

    Typische Anpassungen in RE-FX Custom Code:

    • Datenbankzugriffe sollten auf das Universal Journal (ACDOCA) bzw. freigegebene APIs umgestellt werden; klassische direkte Tabellenzugriffe (z.B. auf BSEG) sind kritisch und sollten vermieden werden
    • Anpassung von APIs und BAPIs
    • Fiori-Kompatibilität bei Customer-Entwicklungen

    Empfehlung: Reduzieren Sie Custom Code wo möglich und nutzen Sie SAP-Standardfunktionen oder das SAP Business Technology Platform (BTP) Erweiterungsframework.

     

    Downtime-Optimierung

    Für große Immobilienportfolios kann die Downtime bei der Systemkonvertierung erheblich sein.

    Strategien zur Downtime-Reduzierung:

    Near-Zero Downtime (NZDT)

    • SUM mit Near-Zero Downtime Option
    • Parallele Tabellen-Replikation während Betrieb
    • Nur kurze technische Downtime für Cutover

    Selective Data Transition

    • Daten werden selektiv in neues System übernommen
    • Historische Daten können im Alt-System verbleiben
    • Deutlich kürzere Downtime

    Archivierung vor Migration

    • Alte Verträge und Transaktionen archivieren
    • Reduziert zu migrierende Datenmenge
    • Beschleunigt alle Migrationsphasen

    Best Practice: Führen Sie mehrere Sandbox-Conversions durch und messen Sie die benötigte Zeit. Die letzte Test-Konvertierung sollte die reale Downtime simulieren.

     

    Projektphasen im Detail

    Phase 1: Discovery & Project Preparation (4-8 Wochen)*

    *Zeitangaben sind als Richtwerte aus Projekterfahrungen zu verstehen und variieren je nach Unternehmensgröße und Komplexität

    Aktivitäten:

    • SAP Readiness Check durchführen
    • Projektteam zusammenstellen
    • Scope definieren (Brownfield/Greenfield/Hybrid)
    • Budget und Timeline festlegen
    • Migrationsstrategie für RE-FX wählen

    Liefergegenstände:

    • Projektsteckbrief
    • Migrationsstrategie-Dokument
    • Business Case
    • Risikoanalyse

    Phase 2: Prepare (8-12 Wochen)*

    Aktivitäten:

    • Simplification Item Check durchführen
    • Datenqualität prüfen und bereinigen
    • Business Partner Konvertierung (CVI) in ECC
    • Custom Code analysieren
    • Sandbox-System aufsetzen
    • Schulungskonzept erstellen

    Liefergegenstände:

    • SI-Check Bericht mit Maßnahmenplan
    • Bereinigte Daten (Data Quality Report)
    • Custom Code Anpassungsplan
    • Test-Strategie

    Phase 3: Explore & Realize (12-20 Wochen)*

    Aktivitäten:

    • Sandbox-Konvertierung durchführen
    • RE-FX Stammdaten und Verträge migrieren (Test)
    • Anpassungen im S/4HANA System konfigurieren
    • Unit-Tests und Integration-Tests
    • User Acceptance Tests (UAT)
    • Schulungen durchführen

    Liefergegenstände:

    • Konvertierte Test-Systeme
    • Migrierte RE-FX Testdaten
    • Testprotokolle
    • Geschulte Anwender

    Phase 4: Deploy (Cutover-Wochenende)

    Aktivitäten:

    • Finaler Abgrenzungslauf in ECC
    • Produktions-Systemkonvertierung mit SUM
    • RE-FX Datenübernahme über BAPIs/Tools
    • Post-Conversion Checks
    • Smoke-Tests
    • Go-Live

    Typische Downtime: 12-72 Stunden (abhängig von Systemgröße und Datenmenge)

    Phase 5: Run (Hypercare: 4-8 Wochen)*

    Aktivitäten:

    • Tägliche Systemüberwachung
    • Fehlerbeseitigung
    • User Support
    • Performance-Optimierung
    • Lessons Learned Workshop

     

    Kritische Erfolgsfaktoren

    1. Datenqualität

    Problem: Inkonsistente Daten führen zu fehlgeschlagenen Konvertierungen.

    Lösung:

    • Frühzeitige Datenbereinigung
    • Automatisierte Konsistenzprüfungen
    • Dediziertes Data Quality Management

    2. Testumgebungen

    Problem: Unzureichende Tests führen zu Produktionsproblemen.

    Lösung:

    • Mindestens 2-3 Sandbox-Conversions
    • Vollständige Testabdeckung aller RE-FX Prozesse
    • Realistische Testdaten verwenden

    3. Change Management

    Problem: Anwender-Akzeptanz fehlt.

    Lösung:

    • Frühzeitige Einbindung der Key User
    • Umfassendes Schulungsprogramm
    • Kommunikation der Business Benefits

    4. Skills und Ressourcen

    Problem: Fehlendes Know-how im Projektteam.

    Lösung:

    • Erfahrene S/4HANA Berater einbinden
    • SAP-Partner mit RE-FX Expertise wählen
    • Interne Ressourcen durch Trainings vorbereiten

    5. Cutover-Planung

    Problem: Ungeplante Verlängerung der Downtime.

    Lösung:

    • Detaillierter Cutover-Plan mit Zeitplan
    • Rollback-Strategie definieren
    • Notfallplan für kritische Situationen

     

    Best Practices aus der Praxis

    1. Archivierung vor Migration

    Archivieren Sie alte Verträge, Buchungsbelege und Stammdaten, um die zu migrierende Datenmenge zu reduzieren.

    Empfohlene Archivierungsobjekte:

    • Abgeschlossene Verträge (>3 Jahre)
    • Gebuchte Belege (nach rechtlichen Aufbewahrungsfristen)
    • Nicht mehr aktive Stammdaten

    2. Parallelbetrieb vermeiden

    Während der S/4HANA Migration keinen Parallelbetrieb von Alt- und Neu-System planen. Dies ist bei RE-FX technisch sehr komplex und fehleranfällig.

    3. Dokumentation der Legacy-Einstellungen

    Dokumentieren Sie alle Customizing-Einstellungen im ECC-System, insbesondere:

    • Konditionsarten und Bewertungsregeln
    • Vertragskategorien und -typen
    • Abrechnungsschemata
    • Buchungskreise und Kostenstellenzuordnungen

    4. Test-Verträge als Referenz

    Erstellen Sie Representative-Verträge im ECC-System, die alle Ihre Geschäftsfälle abdecken. Nutzen Sie diese als Referenz für die Validierung nach der Migration.

    5. Monitoring nach Go-Live

    Richten Sie ein intensives Monitoring in den ersten Wochen ein:

    • Tägliche Prüfung der Abrechnungsläufe
    • Vergleich ECC vs. S/4HANA Buchungen
    • Performance-Monitoring
    • Error-Log Überwachung

     

    Typische Fallstricke und wie Sie diese vermeiden

    Fallstrick 1: Falsche Migrations-Methode gewählt

    Problem: Teams wählen die Migrationsmethode ohne gründliche Analyse des Transformationspfads.

    Lösung: Klären Sie zuerst Ihr Szenario:

    • Brownfield/System Conversion: RE-FX-Daten werden technisch konvertiert, keine separate Migration erforderlich
    • Greenfield: Direct Transfer über Migration Cockpit, BAPI-basierte Verfahren oder Partner-Tools
    • Selective Data Transition: Kombination verschiedener Methoden je nach Anforderung

    Nutzen Sie SAP Knowledge Base Article 3623370 für eine Übersicht der verfügbaren Tools.

    Fallstrick 2: Fehlende Business Partner

    Problem: Verträge können nicht angelegt werden, weil Business Partner fehlen.

    Lösung: Führen Sie die Business Partner Konvertierung (CVI) vor der RE-FX Datenmigration durch.

    Fallstrick 3: Unvollständige Konditions-Migration

    Problem: Verträge werden ohne Konditionen oder mit falschen Bewertungen migriert.

    Lösung: Nutzen Sie die vollständige BAPI-Struktur inkl. E1BP_RE_TERM_CE_DAT für Bewertungen und prüfen Sie alle Konditionen einzeln.

    Fallstrick 4: Vergessene Abgrenzungen

    Problem: Periodenabgrenzungen werden nicht korrekt übernommen.

    Lösung: Führen Sie finale Abgrenzungsläufe durch und bringen Sie die Salden auf den Abgrenzungskonten auf null, wie von SAP empfohlen.

    Fallstrick 5: Custom Code Kompatibilität

    Problem: Custom Reports und Enhancements funktionieren nicht mehr.

    Lösung: Analysieren Sie Custom Code frühzeitig mit ATC und passen Sie ihn für S/4HANA an, besonders bei Datenbankzugriffen.

     

    Tools und Ressourcen

    SAP-eigene Tools

    Tool Zweck Verfügbarkeit
    SAP Readiness Check Systemanalyse und Planung SAP Support Portal
    Simplification Item Check Relevanzprüfung von Änderungen Transaction /SDF/RC_START_CHECK
    Software Update Manager (SUM) Technische Systemkonvertierung SAP Download Center
    LSMW Datenmigration SAP Standard
    Maintenance Planner Stack-Planung und Download SAP Support Portal
    Custom Code Migration App ABAP Code Analyse SAP Fiori Launchpad

     

    Wichtige SAP-Hinweise

    SAP-Hinweis Titel Beschreibung
    3623370 RE-FX: Available migration tools Übersicht Migrationswerkzeuge für RE-FX
    2399707 Simplification Item Check SI-Check Installation
    2502552 S4TC – SAP S/4HANA Conversion & Upgrade Check-Klassen für SI-Check
    2544232 RE-FX Lease Contract Migration Szenarien für Vertragsbewertungen
    2721530 Data Volume Management Datenarchivierung vor Migration

    Weiterführende Dokumentation

     

    Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen

    Die Migration von SAP RE-FX zu S/4HANA ist ein komplexes Projekt, das sorgfältige Planung und Vorbereitung erfordert. Die wichtigsten Erkenntnisse:

    Zentrale Handlungsempfehlungen:

    1. Starten Sie früh mit der Planung: Mit Ende der Mainstream-Wartung am 31.12.2027 wird die Zeit knapp. Beginnen Sie spätestens 18-24 Monate vor dem geplanten Go-Live.
    2. Nutzen Sie die richtigen Tools: Je nach Migrationsszenario (Brownfield/Greenfield/Hybrid) kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz – von der technischen Konvertierung über Direct Transfer bis zu BAPI-basierten Migrationen.
    3. Investieren Sie in Datenqualität: Erfahrungsgemäß entfällt ein großer Teil des Migrationsaufwands auf Datenbereinigung und -validierung. Starten Sie frühzeitig mit der Data Quality Initiative.
    4. Testen Sie ausführlich: Mindestens 2-3 Sandbox-Conversions sind Pflicht. Jeder Test deckt neue Probleme auf.
    5. Berücksichtigen Sie RE-FX Besonderheiten:
      • Business Partner Konvertierung vorab
      • Vertragsbewertungen nach IFRS 16 / US GAAP
      • Hierarchische Stammdatenstrukturen
      • Abgrenzungen und Periodenabrechnung
    6. Planen Sie ausreichend Ressourcen ein: Sowohl intern (Key User, IT) als auch extern (erfahrene S/4HANA und RE-FX Berater).
    7. Erstellen Sie eine Rollback-Strategie: Definieren Sie klare Abbruchkriterien und einen Plan B für den Fall von Problemen.

    Nächste Schritte:

    1. SAP Readiness Check durchführen – Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Aufwand
    2. Migrationsstrategie wählen – Brownfield, Greenfield oder Hybrid?
    3. Budget und Timeline planen – Realistische Einschätzung mit Puffer
    4. Projektteam aufstellen – Interne und externe Ressourcen
    5. Pilotprojekt starten – Erste Sandbox-Konvertierung als Proof-of-Concept

    Die Migration zu SAP S/4HANA ist eine Investition in die digitale Zukunft Ihres Immobilienmanagements. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Werkzeugen wird Ihr Projekt ein Erfolg.


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